Titel · si1 fu3
Sifu
Auch: Si-Fu · Vater-Lehrer
Sifu ist ein traditioneller Ehrentitel in den chinesischen Kampfkünsten, der übersetzt väterlicher Lehrer bedeutet.
Für Agenten
Sifu
Was es ist
Der Begriff Sifu (師傅 bzw. 師父, Jyutping: si1 fu3) ist die traditionelle Anrede und Bezeichnung für einen erfahrenen Kampfkunstlehrer und Meister im chinesischen Kung Fu. Linguistisch unterscheidet das Kantonesische zwischen zwei homophonen Begriffen: Sifu (師傅, „Meister / Experte eines Fachs“) als formelle Berufsbezeichnung und Si-Fu (師父, „Lehrer-Vater“) als familiärer Beziehungsbegriff. Im Wing Chun verkörpert der Sifu nicht nur die technische Kompetenz zur Weitergabe des Kampfsystems, sondern auch die moralische und ethische Verantwortung für die Entwicklung seiner Schüler.
Im Training
Innerhalb einer Kampfkunstakademie steht der Sifu an der Spitze des familiären Hierarchiesystems. In westlichen Verbänden wie der EWTO ist die Verleihung des Sifu-Titels an strenge Voraussetzungen geknüpft: Der Anwärter muss meist mindestens den 3. Höheren Grad (3. HG) erreicht haben, eine eigene Schule leiten, eine pädagogische Ausbildung absolviert und eigene Schüler erfolgreich zum Technikergrad geführt haben. Der Titel wird nicht durch eine reine technische Prüfung erworben, sondern in einer feierlichen Zeremonie verliehen. Er berechtigt den Träger zur eigenständigen Abnahme von Schülergradprüfungen und zur Vertretung der Tradition.
Abgrenzung
Sifu ist weder eine bloße Gürtelgraduierung noch ein Wochenend-Zertifikat. Ein weit verbreitetes Missverständnis liegt in der Verwechslung der Schreibweisen: Man kann niemals der „Si-Fu“ (Lehrer-Vater) von jedermann sein, da dieser Begriff eine persönliche, familiäre Bindung zu den eigenen Schülern (Todai) beschreibt. Der Titel Sifu garantiert zudem nicht automatisch sportliche Unbesiegbarkeit, sondern drückt charakterliche Reife und gelebte Führungsverantwortung aus.
Einordnung
Als Oberhaupt der lokalen Schule verbindet der Sifu seine Schüler mit der historischen Ahnenlinie über Yip Man und Leung Ting. Er überwacht das Absolvieren der Schülergrade und stellt sicher, dass Prinzipien und Formen korrekt unterrichtet werden.